Flugmythen – richtig oder falsch?

Mythos 1: Kabinentüren können in der Luft geöffnet werden

Falsch!

Ein Wahnsinniger droht, auf Reiseflughöhe die Tür aufzureißen? Da wird er sich schwer tun. Alle Passagierflugzeuge sind mit luftdicht verriegelten Plug-Türen ausgestattet. Das Öffnen würde beim vorherrschenden Überdruck übermenschliche Kräfte verlangen. Deswegen kann man auch nicht mit einem Fallschirm aus einem Passagierflugzeug springen. Das gelingt nur Filmhelden. Neben der nicht zu öffnenden Tür würden auch die extrem hohen Minusgrade über den Wolken ein sicheres Abspringen verhindern.

Mythos 2: Klimaanlagen an Bord verbreiten Erkältungskeime

Falsch!

Viele Reisende befürchten, erkältet aus dem Flieger zu steigen, da sie glauben, die Klimaanlage verbreite schlechte Luft. Das ist so nicht richtig: Natürlich sind Reisende vor der Tröpfcheninfektion durch Menschen in ihrer Nähe nicht gefeit, aber Flugzeuge sind mit einem HEPA-System ausgestattet. Dieses wird auch auf Intensivstationen oder in OP-Räumen angewendet – frische und wiederverwertete Luft wird vermischt und gefiltert. So werden Bakterien und Keime abgetötet. Darüber hinaus findet in kurzen Abständen ein kompletter Luftaustausch der Kabinenluft statt. Allerdings sollten Sie viel trinken und sich warm anziehen, um sich an Bord nicht zu erkälten.

Mythos 3: Es gibt Idealmaße für Flugbegleiter/innen

Richtig!

In der Tat muss die Besatzung eines Flugzeuges gewissen Idealmaßen entsprechen – und zwar aus praktischen und sicherheitsbedingten Gründen: Zum einen wird ein angemessenes Körpergewicht verlangt. Als grobe Faustregel wird die Größe weniger 100 plus zehn Kilo gerechnet. Manchmal wird auch der Body-Mass-Index herangezogen. Außerdem gibt es Vorgaben zur Körpergröße. So muss eine Flugbegleiterin bei der Lufthansa mindestens 1,60 Meter groß sein, bei Air Berlin 1,65 Meter. Asiatische Airlines gehen einen Schritt weiter: Wer dem vorherrschenden schlanken Ideal nicht entspricht und sich weigert abzunehmen, darf nicht mit in die Luft, sondern wird als Bodenpersonal eingesetzt.

Mythos 4: Toiletten werden in der Luft entleert

Falsch!

Was in der Toilette hinuntergespült wird, landet nicht in den Wolken, sondern wird in einem Tank gespeichert. Und dieser wird erst nach der Landung geleert. Nur das Wasser aus dem Waschbecken wird sofort aus dem Flieger entsorgt – allerdings fein zerstäubt, damit sich keine Eisklumpen bilden können.

In seltenen Fällen kann Wasser aus der Toilette tröpfchenweise nach außen dringen. Schuld daran sind nicht einwandfrei funktionierende Dichtungen. Dieses Wasser gefriert dann an der Flugzeugoberfläche und löst sich beim Eintreten in wärmere Luftschichten. Fachleute nennen diese eher ungewöhnlichen Flugzeugemissionen aufgrund ihrer vom Desinfektionsmittel stammenden Färbung übrigens „Blue Ice“. Die Dichtungen werden aber regelmäßig ausgetauscht und kontrolliert, um solche Vorfälle zu vermeiden.

Mythos 5: An Bord vieler Flugzeuge fehlen die Sitzreihen 13 und 17

Richtig!

Damit abergläubische Passagiere nicht verängstigt werden, gibt es an Bord mancher Airlines keine Sitzreihen mit der Nummer 13. So zum Beispiel bei der Lufthansa. Auch eine Reihe 17 werden Reisende hier nicht finden: die Zahl 17 gilt in Italien und Brasilien als Unglücksbringer.

Mythos 6: Tomatensaft schmeckt über den Wolken besser

Richtig!

In Flugzeugen wird überdurchschnittlich viel Tomatensaft getrunken. Dies zeigt auch eine Travelzoo-Umfrage: Fast die Hälfte der rund 1300 Befragten gab an, an Bord gerne zu diesem Getränk zu greifen. Der Grund, weshalb Tomatensaft in hoher Luft so köstlich schmeckt, ist der Niederdruck in der Kabine, der die Geschmacksnerven beeinflusst: Süße wird stärker wahrgenommen, Säure weniger stark – der Gemüsesaft schmeckt fruchtiger als am Boden.

Mythos 7: Flugzeuge lassen vor der Landung Treibstoff ab

Falsch!

Nur im äußersten Notfall lassen die Maschinen vor der Landung Treibstoff ab. Zwar müssen Flugzeuge mit deutlich weniger Kerosin an Bord landen als starten, da sonst Brandgefahr droht. Aber in der Regel wird der größte Teil des Treibstoffs während des Fluges ja verbraucht. Nur im Falle einer Notlandung, wenn der Tank noch voll ist, kann es erforderlich sein, dass der Kapitän das Gewicht der Maschine durch das Ablassen von Kerosin reduziert.

Mythos 8: Übergewichtige Passagiere müssen zwei Plätze kaufen

Richtig!

Aus Gründen der Sicherheit müssen alle Passagiere dazu in der Lage sein, bei gesenkter Armlehne, mit geschlossenem Sicherheitsgurt und ohne bedeutende Beeinträchtigung der benachbarten Fluggäste zu sitzen. Sollte ein Passagier zu dick sein, um auf dem Sitz in seiner gebuchten Beförderungsklasse mit gesenkter Armlehne Platz zu nehmen oder um den Sicherheitsgurt trotz Verlängerung zu schließen, kann es tatsächlich notwendig sein, gegen Aufpreis einen zweiten Platz hinzu zu buchen. Alternativ kann der Passagier – in der Regel gegen Aufpreis – in einer höhere Beförderungsklasse wechseln, deren Sitze oft größer sind. Das Buchen eines zweiten Platzes ist nicht billig, denn es wird in der Regel der doppelte Flugpreis berechnet, lediglich Gebühren und Steuern fallen weg. Betroffene setzen sich also am besten frühzeitig mit ihrer Airline in Verbindung und erkundigen sich.

Übrigens: Bei der Beförderung mit kleinen Flugzeugen müssen neben dem Gepäck häufig auch die Passagiere auf die Waage. Der Ticketpreis berechnet sich dann aus dem zu befördernden Gesamtgewicht. Anfang des 20. Jahrhunderts war das auch noch bei der Lufthansa so.

Mythos 9: Pilot und Co-Pilot dürfen nicht dasselbe essen

Wahr und falsch!

Eine Lebensmittelvergiftung auf einem Langstreckenflug wäre verheerend, vor allem, wenn auch das Cockpit davon betroffen wäre. Bei einigen Airlines, etwa Emirates, müssen Pilot und Co-Pilot aus diesem Grund verschiedene Gerichte essen. Auch den Lufthansa-Piloten wird eine unterschiedliche Menüwahl empfohlen, eine offizielle Vorschrift gibt es aber nicht.

Mythos 10: Flüge werden überbucht

Richtig!

Tatsächlich ist es üblich, dass Flüge überbucht werden. Denn es ist eher die Regel als die Ausnahme, dass einzelne Passagiere ihren Flug nicht antreten. Einige verpassen den Flieger, andere scheuen aus Flugangst vor ihrer Reise zurück, anderen wiederum kommt etwas dazwischen. Um zu verhindern, dass Sitze an Bord frei bleiben, werden die Flieger überbucht. Wie stark, hängt von der Zuverlässigkeit der Kunden ab und wird von Nation zu Nation anders gehandhabt. Während die Flieger zum Beispiel in Indien im Schnitt um zehn Prozent überbucht werden, wird das in Japan kaum gemacht.

Mythos 11: Fliegen ist gefährlich

Falsch!

Wer sorglos Auto fährt, aber vor dem Fliegen Angst hat, macht einen Denkfehler. Denn das gefährlichste Fortbewegungsmittel ist das Auto. Selbst Bahnfahren ist laut Statistik riskanter als die Reise mit einem Flugzeug.

Kommt es zu einem Absturz, sind die Folgen allerdings meistens verheerend. Reisende, die nahe am Notausgang oder im vorderen Bereich des Flugzeugs sitzen, haben statistisch gesehen die besten Überlebenschancen. Auch Menschen mit Flugangst sind vorne am besten aufgehoben, da man hier am wenigsten von möglichen Turbulenzen mitbekommt.

Mythos 12: Wenn ein Blitz einschlägt, stürzt das Flugzeug ab

Falsch!

Flugzeuge werden regelmäßig von Blitzen getroffen – jede Maschine im Durchschnitt ein Mal im Jahr. Doch das ist kein Grund zur Sorge. Heute unterliegen Flugzeuge strengen Zulassungstests. Wie Autos, sind auch Flugzeuge nicht geerdet. Wenn sie von einem Blitz getroffen werden, tritt er also einfach wieder aus.

Mythos 13: Vogelschläge sind selten

Wahr und falsch!

Zwar konnte die Zahl der Kollisionen mit Vögeln an Flughäfen in den letzten Jahren erheblich reduziert werden (auf dem Flughafen Frankfurt etwa gab es 2011 insgesamt 64 Vorfälle. Ein Jahr zuvor waren es noch 94, 2009 sogar 103). Dennoch sind Vogelschläge häufiger als man meinen mag. Ob ein Vogelschlag gefährlich ist, hängt von der Vogelart ab, mit der der Flieger zusammenstößt. Handelt es sich um kleine Vögel, bekommen die Passagiere oft gar nichts davon mit. Geraten jedoch größere Vögel wie Möwen oder Gänse ins Treibwerk, kann das dieses stark beschädigen. Das kann zu lautem Rattern im Triebwerk, einem unangenehmen Geruch von verbranntem Fleisch in der Kabine und sogar zu einer Notlandung führen.

Mythos 14: Es gibt einen Club für Menschen, die Sex im Flugzeug hatten

Wahr und falsch!

So ein Club existiert in der Tat – allerdings ist er inoffiziell. Er nennt sich „Mile High Club“, und Mitglied kann sich jeder nennen, der schon mal Sex in einem Flugzeug in mindestens 2000 Metern Höhe hatte. Und das sind offenbar gar nicht mal so wenige: Wenn man einer Umfrage glauben darf, hatte jeder fünfte Deutsche schon mal ein Schäferstündchen über den Wolken. Natürlich sind auch zahlreiche Promis Mitglieder im Club, darunter Playboy-Gründer Hugh Hefner, Robbie Williams und Ralph Fiennes.

Mythos 15: Ein Zivilpolizist (Sky Marshall) ist immer mit an Bord

Falsch!

Je nach Flugstrecke und Zielgebiet können sich tatsächlich sogenannte „Sky Marshals“, speziell ausgebildete Polizisten in Zivil, an Bord befinden. Vor allem bei Langstreckenflügen kann dies der Fall sein. Dann weiß meistens der Kapitän, um wen es sich handelt. Manchmal sind aber auch verdeckte Ermittlungen möglich. Die Regel ist das jedoch nicht, meistens muss die Crew ohne Sky Marshall zurecht kommen.

Mythos 16: Für die Crew gibt es Schmink- und Frisurenvorschriften

Richtig!

Von der gesamten Bord-Besatzung wird ein gepflegtes Äußeres gewünscht – auch von den Piloten. Je nach Airline gibt es verschiedene Vorschriften. In der Regel muss die weibliche Flugzeug-Crew ab einer gewissen Haarlänge eine Hochsteckfrisur wie zum Beispiel einen Dutt tragen. Auch ein geflochtener Zopf ist erlaubt. Wer hingegen einen Pferdeschwanz trägt, verwendet in der Regel pro Handbreite ein Haargummi – damit keine Haare herumfliegen. Flugbegleiterinnen müssen sich schminken, allerdings muss das Make-up dezent sein.

Mythos 17: Aus Fahrradreifen muss Luft rausgelassen werde, weil sie sonst platzen

Falsch!

Einige Fluggesellschaften fordern tatsächlich, dass der Drahtesel mit leeren Reifen an Bord geht. Andere bestehen auf einem reduzierten Luftdruck. Aber eigentlich ist so eine Vorschrift nicht nötig, denn der Luftdruck im Laderaum ist dem in der Kabine sehr ähnlich – und gleicht in etwa dem auf einem 2000 bis 2500 Meter hohen Berg. Das ist sowohl für Menschen im Passagierraum als auch für Haustiere im Transportraum völlig unbedenklich. Und auch für Fahrräder. Wer hoch in den Bergen eine Mountainbike-Tour unternimmt, lässt schließlich auch nicht die Luft aus seinen Reifen. Dennoch sollten Passagiere, die ein Fahrrad transportieren möchten, lieber bei der Airline nachfragen

Mythos 19: Mobiltelefone müssen ausgeschaltet sein

Falsch!

Es gab viele Diskussionen darüber, ob die Nutzung von Mobiltelefonen an Bord gefährlich ist und Geräte deshalb während des Flugs ausgeschaltet bleiben müssen. Seit Januar erlaubt die Europäische Agentur für Flugsicherheit nun die eingeschränkte Nutzung elektronischer Geräte an Bord. Einige Airlines, etwa British Airways und Ryanair, lockerten daraufhin die Vorschriften. Seit März dürfen auch Lufthansa-Passagiere in der Regel Handys nutzen. Doch jede Airline hat eigene Vorschriften, bei einigen müssen die Geräte nach wie vor ausgeschaltet bleiben.

Mythos 20: Bei Motorenausfall stürzt das Flugzeug ab

Falsch!

Bei einem Motorenausfall fällt kein Flugzeug einfach so vom Himmel. Selbst wenn Treibwerke versagen, können Flieger noch eine ziemlich lange Strecke gleiten. Ein Airbus A380 zum Beispiel kann noch rund 250 Kilometer gleiten, wenn seine Motoren ausfallen. Das wird auch bei der Berechnung möglichst sicherer Flugrouten berücksichtigt